Weltrekordversuch der Rhätischen Bahn | 29.10.2022

Im Frühjahr des Jahres 2022 wurde ich auf Facebook auf eine Medienmitteilung der Rhätischen Bahn aufmerksam, wonach für den Herbst ein Guinness-Weltrekordversuch auf der Albulastrecke geplant ist. Anlass ist das Jubiläum 175 Jahre Eisenbahn in der Schweiz. Es sollte der längste Personenzug aller Zeiten unterwegs sein, auf einer der spektakulärsten Bahnstrecken der Welt. Start am Nordportal des Albulatunnels in Preda, hinab durch die Kehrtunnels und -schleifen über Bergün und Filisur zum Ziel auf dem Landwasserviadukt. Schnell wurde das Netz nach weiteren Infos durchforstet und ebenso schnell war der Entschluss gefasst, live dabei zu sein.

Für den Zugang zum Festivalgelände in Bergün musste allerdings ein Ticket gelöst werden. Und weil ich annahm, dass die angebotenen 3000 Tickets schnell vergriffen sein würden, saß ich just zum Vorverkaufsstart am Rechner. Und da ich natürlich nicht an einem Tag hin und zurück fahren wollte, buchte ich gleich noch ein Zimmer im Gasthaus Post in Surava.

Und so machte ich mich am 29. Oktober frühmorgens auf den Weg nach Chur, die Kantonshauptstadt von Graubünden, wo ich um 8.58 Uhr den bereitstehenden Zug nach Bergün bestieg. Es handelte sich dabei um einen dieser Capricorn-Triebzüge, aus denen auch der Weltrekordzug gebildet werden sollte.


Zahlen und Fakten zum Weltrekordversuch:

  • Der Zug setzte sich aus 25 Kompositionen mit jeweils vier Wagen der neuen Capricorn-Triebzüge zusammen und war total 1906 Meter lang.
  • «Capricorn» ist der rätoromanische Begriff für Steinbock.
  • 24‘930 Meter lang ist die Weltrekordstrecke von Preda bis Alvaneu.
  • Dabei wurden 789.4 Höhenmeter (Preda = 1788.7 m ü.M.; Alvaneu = 999.3 m ü.M.) überwunden.
  • Die Weltrekordfahrt führte über 48 Brücken und durch 22 Tunnels.
  • Der grösste Viadukt auf der Weltrekordstrecke ist der weltbekannte Landwasserviadukt kurz nach Filisur mit einer Länge von 142 Metern und einer Höhe von 65 Metern.
  • Der längste Tunnel auf der Weltrekordstrecke ist der Greifensteintunnel kurz vor Filisur mit 698 Metern.
  • Mit der Weltrekordversuchsfahrt wurden 4000 kWh Bremsenergie (Rekuperation) erzeugt.
  • Mit 30 bis 35 km/h fuhr der Weltrekordzug.
  • Rund eine Stunde dauerte die Rekordfahrt.
  • Rund 2990 Tonnen betrug das Gewicht des Rekordzuges.
  • Die Kommunikation innerhalb des Zuges wurde mittels eines fast 2 Kilometer langen Feldtelefons vom Zivilschutz sichergestellt.
  • Zusätzlich wurden im Zug 7 Lokführer und 21 Techniker eingesetzt, um den Zug fahren zu können.

Noch nie fuhr ein so langer Personenzug auf der Welt, geschweige denn im Hochgebirge auf einer Schmalspurbahn mit engen Kurvenradien, vielen Tunnels und Viadukten. Daraus ergeben sich verschiedene Herausforderungen, die im Vorfeld und während der Fahrt gemeistert werden müssen.

Quelle: Rhätische Bahn


Angekommen in Bergün schlenderte ich bei schönstem Herbstwetter und knapp 20°C erstmal über das Bahnhofsgelände mit diversen Ständen lokaler und internationaler Firmen. Nach dem Mittagessen im Festzelt am südlichen Ortsausgang ging es an die Suche eines guten Aussichtspunktes zum Filmen und Fotografieren. In den Kehrschleifen oberhalb Bergün wurde das Kameraequipment dann in Position gebracht. Um 14.20 Uhr setzte sich der im Albulatunnel bereitstehende Weltrekordzug dann endlich in Bewegung, auf dem Smartphone konnte ich die Fahrt im Livestream von Blick TV verfolgen. Um 14.40 Uhr tauchte der Zug oberhalb Bergün auf und schlängelte sich ganze 6 Minuten an mir vorbei und war dabei für kurze Zeit gleichzeitig auf allen 3 Ebenen zu sehen. Nach einem kurzen Halt in Bergün fuhr er weiter Richtung Filisur, um dann kurz darauf auf dem berühmten Landwasserviadukt zu erscheinen. WELTREKORD GESCHAFFT! Frenetischer Jubel vor der Großbildleinwand in Bergün, ein absolut eindrückliches Event ging erfolgreich zu Ende.

Der nächste Tag blieb natürlich nicht ungenutzt. Es ging zunächst zum Lai da Palpuogna im magischen Morgenlicht, danach auf den 2315 Meter hohen Albulapass. In Preda wurde das Infozentrum des Albulatunnel II besichtigt bevor es zum Trainspotten an die Strecke ging. Zuerst an den Kehrschleifen und Albulaviadukten zwischen Preda und Bergün, als krönenden Abschluss dann zum Platz unter der wohl meistfotografierten Bahnbrücke der Welt, dem Landwasserviadukt.



Die Weltrekordstrecke auf der Landkarte:


Der Weltrekordzug im Zeitraffer:

Fotos vom Weltrekord-Event:


Fotos von Tag 2:

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